{"id":2351,"date":"2025-02-21T13:38:12","date_gmt":"2025-02-21T13:38:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.basflonmin.com\/?p=2351"},"modified":"2026-05-21T14:24:09","modified_gmt":"2026-05-21T14:24:09","slug":"when-can-we-call-engagement-without-meaningful-change-inaction-speech-by-gomotsegang-brown-matloko-wonderkop-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/when-can-we-call-engagement-without-meaningful-change-inaction-speech-by-gomotsegang-brown-matloko-wonderkop-community\/","title":{"rendered":"Ab wann wird Engagement ohne sinnvolle Ver\u00e4nderungen zur Unt\u00e4tigkeit?\u201c: Rede von Gomotsegang Brown Matloko, Wonderkop Community, auf der BASF-Hautversammlung 2025"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats,<br \/>\nsehr geehrte Aktion\u00e4rinnen und Aktion\u00e4re,<\/p>\n<p>Ich hei\u00dfe Gomotsegang Brown Matloko und komme aus der Gemeinde Wonderkop in Marikana. Ich wende mich direkt aus S\u00fcdafrika an Sie, um die Wirksamkeit \u2013 oder besser gesagt, die mangelnde Wirksamkeit \u2013 der BASF Ma\u00dfnahmen zur Einhaltung von Menschenrechten und umweltbezogener Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette zu thematisieren.<\/p>\n<p>Die BASF betont zu Recht ihr Engagement f\u00fcr Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Beschaffung. Diese Verpflichtungen auf dem Papier sind lobenswert. Der wahre Ma\u00dfstab f\u00fcr Engagement und Verantwortung sind jedoch nicht Grundsatzpapiere, sondern greifbare L\u00f6sungen f\u00fcr aufgezeigte Probleme vor Ort. Bei der Platinumbeschaffung von Sibanye-Stillwater in S\u00fcdafrika, sehen wir eine erhebliche und anhaltende Kluft zwischen erkl\u00e4rten Absichten und der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Dies sollte die Aktion\u00e4r*innen nicht mehr \u00fcberraschen: Vor 10 Jahren prangerte Bischof Jo Seoka erstmals auf der Hauptversammlung die mangelnde Verantwortung von BASF in Bezug auf die Platinumlieferkette aus S\u00fcdafrika an.<\/p>\n<p>Seit Jahren setzen wir uns als Aktivisten, unterst\u00fctzt von lokalen NGOs, mit Sibanye-Stillwater \u00fcber die katastrophale Situation der Gemeinden auseinander, die von den Minenaktivit\u00e4ten betroffen sind. Die von Sibanye-Stillwater gef\u00f6rderten Rohstoffe sind f\u00fcr BASF nach wie vor unverzichtbar. Dies darf jedoch nicht auf Kosten grundlegender Menschenrechte und Verst\u00f6\u00dfen gegen Umwelt- und Sicherheitsstandards geschehen.<\/p>\n<p>Die BASF hat uns versichert, dass sie mit Sibanye-Stillwater zusammenarbeiten, Druck aus\u00fcben, um die unzureichenden Lebensbedingungen f\u00fcr Bergleute und Gemeinden zu verbessern, und die vollst\u00e4ndige Umsetzung des <em>rechtsverbindlichen <\/em>Sozial- und Arbeitsplans (SLP) zu fordern. Dar\u00fcber hinaus haben wir BASF bereits letztes Jahr konkret auf Probleme hingewiesen: (Ab-)Wasserl\u00e4ufe, beeintr\u00e4chtigte Luftqualit\u00e4t, Sicherheitsrisiken des R\u00fcckstaudams und andere Sicherheitsl\u00fccken \u2013 die beispielsweise zum Tod eines Kindes f\u00fchrten \u2013, sowie Unzul\u00e4nglichkeiten im Beschwerdemechanismus und die unzureichende Reaktion von Sibanye Stillwater auf eingereichte Beschwerden.<\/p>\n<p>In Ihrem BASF-Bericht f\u00fcr 2024 erw\u00e4hnen Sie auf Seite 311 ein pers\u00f6nliches Treffen in Deutschland im September 2024, bei dem laut Ihrem Bericht \u201eVertreter unserer Lieferanten und von Nichtregierungsorganisationen aus S\u00fcdafrika und Deutschland sowie weitere Experten eine konstruktive Diskussion \u00fcber die Umwelt- und Menschenrechtssituation f\u00fchrten.\u201c Au\u00dferdem schreiben Sie, Sie w\u00fcrden \u201eweitere Ma\u00dfnahmen ergreifen, um die negativen Auswirkungen der BASF auf die betroffenen Gemeinden zu minimieren und positive Auswirkungen zu unterst\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Als Teilnehmer an diesem Treffen kann ich best\u00e4tigen, dass wir uns auf konkrete n\u00e4chste Schritte geeinigt haben. So sollte beispielsweise ein unabh\u00e4ngiger, von allen Seiten anerkannter Experte die \u00f6rtliche Abbauhalde von Sibanye Stillwater zusammen mit Vertretern der Zivilgesellschaft, der Gemeinde und des Minenunternehmens besuchen, um sich gemeinsam vor Ort \u00fcber die vorgebrachten Bedenken auszutauschen, die angesprochenen Probleme anzugehen, M\u00f6glichkeiten der Beteiligung und Zusammenarbeit zu erkunden und Vertrauen zu schaffen. Soweit ich wei\u00df, wurde bisher keine der Vereinbarungen eingehalten.<\/p>\n<p>Das Einzige, was wir beobachten ist, dass Sibanye-Stillwater sich stark auf externe Berater verl\u00e4sst, um ein gesch\u00e4ftiges Bild abzugeben, aber es gibt weder einen ernsthaften Austausch zu den Bedenken noch ein echtes nachhaltiges Engagement mit den Gemeinden, das sinnvolle Ver\u00e4nderungen bewirkt.<\/p>\n<p>Ich hatte 2024 auch ein direktes Schreiben und ein Memorandum of Demands an BASF geschickt, auf das bis heute noch keine Antwort eingegangen ist.<\/p>\n<p>Nun sind wir in 2025 und fragen: Welche wesentlichen Fortschritte kann BASF wirklich vorweisen? Trotz <em>jahrelangem <\/em>Dialog, Audits und vermeintlichem Druck bleiben die versprochenen Verbesserungen weitgehend aus. Die Gemeinden m\u00fcssen weiterhin mit den Folgen der nicht eingehaltenen Versprechen, Menschenrechtsverletzungen und Sicherheitsrisiken leben. Der verbindliche Sozial- und Arbeitsplan, der sicherstellen soll, dass die Minenaktivit\u00e4ten den lokalen Gemeinden und Besch\u00e4ftigten zugutekommen, wird nach wie vor nur unzureichend umgesetzt.<\/p>\n<p>Seit Jahren habe ich Sibanye-Stillwater eindringlich vor den Umweltrisiken und den konkreten Gefahren gewarnt, die mit dem Betrieb des Minenwerks verbunden sind. Die Abbauhalden und andere veraltete Mineninfrastruktur bedrohen nicht nur die Umwelt, sondern auch das Leben und die Sicherheit der in der N\u00e4he lebenden Menschen. Das sind keine theoretischen Risiken, sondern tickende Zeitbomben, die von Sibanye-Stillwater weder also solche anerkannt noch entschlossen pr\u00e4ventiv angegangen werden. Das ist \u00e4u\u00dferst besorgniserregend.<\/p>\n<p>Erst letzte Woche ist es mir gelungen, den f\u00fcr den \u00dcberlaufdamm Nr. 6 zust\u00e4ndigen Manager von Sibanye-Stillwater dazu zu bewegen, sich die austretenden Abw\u00e4sser anzusehen, die in unsere Fl\u00fcsse gelangen und Auswirkungen f\u00fcr die Weidetiere haben, die aus dem Fluss trinken und auf die Menschen, die den Fluss f\u00fcr ihre Rituale und zum Fischen nutzen. Er hat meine Bedenken \u00fcber die Situation und die Auswirkungen f\u00fcr die Gemeinde Wonderkop zur\u00fcckgewiesen. Seine Bemerkung, ich w\u00fcrde \u201eseine Zeit verschwenden\u201c, hat mich wirklich getroffen und war f\u00fcr mich klare Einsch\u00fcchterung. Diese Reaktion macht es in Zukunft noch schwerer Bedenken der Gemeinde gegen\u00fcber Sibanye-Stillwater direkt zu \u00e4u\u00dfern. Im Grunde habe ich seine Arbeit gemacht, indem ich den Damm \u00fcberwacht und auf Lecks hingewiesen habe.<\/p>\n<p>Das Fehlen einer bewussten und engagierten \u00dcberwachung der Unternehmensauswirkungen gibt Anlass zu ernsten Bedenken hinsichtlich des Beschwerdemechanismusses bei Sibanye Stillwater. Wir hatten gehofft, dass die j\u00fcngste Pr\u00fcfung (das Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) Audit) endlich Klarheit bringen und einen Wendepunkt einleiten w\u00fcrde. Stattdessen mussten wir feststellen, dass dieses Audit noch mehr Fragen aufgeworfen und tragischerweise zu noch mehr Misstrauen in meiner Gemeinde gef\u00fchrt hat. Dies ist eine alarmierende Entwicklung. Sie deutet darauf hin, dass entweder der Aufsichtsmechanismus der BASF durch Audits die Realit\u00e4t vor Ort nicht erfasst, oder dass Sibanye-Stillwater im Auditprozess nicht transparent handelt, oder vielleicht beides. Auf jeden Fall zeigt es ein Versagen des derzeitigen Ansatzes.<\/p>\n<p>Deshalb frage ich Sie, den Vorstand der BASF:<\/p>\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Wie gehen Sie mit den mehrfach bekannt gegebenen Umweltrisiken um, die von den \u00dcberlauf- und R\u00fcckstaud\u00e4mmen, der sonstigen Mineninfrastruktur und der Schmelze in Wonderkop von Sibanye-Stillwater ausgehen?<\/li>\n<li>Wie ist der aktuelle Stand bez\u00fcglich der mit Sibanye-Stillwater in Berlin vereinbarten Ma\u00dfnahmen, insbesondere hinsichtlich der Idee, einen unabh\u00e4ngigen, von allen Seiten anerkannten Experten zu beauftragen, der offiziell auf Beschwerden der Gemeinde reagiert?<\/li>\n<li>Das derzeitige Auditverfahren der Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) unterliegt vollst\u00e4ndig der Kontrolle des Minenbetreibers. Wie k\u00f6nnen Sie in einem solchen Szenario Unparteilichkeit, Objektivit\u00e4t, Integrit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit der Ergebnisse garantieren? K\u00f6nnen wir mit einer vollst\u00e4ndigen Ver\u00f6ffentlichung der Auditergebnisse rechnen, sobald der Audit abgeschlossen ist?<\/li>\n<li>Wie ist Ihre derzeitige Gesch\u00e4ftsbeziehung mit Sibanye-Stillwater? Welche weiteren Pl\u00e4ne oder Projekte haben Sie mit Sibanye-Stillwater?<\/li>\n<li>Wenn Sie in Zukunft deutlich weniger Rohstoffe von Sibanye-Stillwater in S\u00fcdafrika beziehen w\u00fcrden und ganze Minen geschlossen werden, wird dies dann mit Bewusstsein der Auswirkungen f\u00fcr die umliegenden Gemeinden gemacht und planen Sie sich an gerechten \u00dcbergangsprogrammen (\u201cjust transition\u201d) zu beteiligen? Wenn ja, wie genau? Und wenn nicht, warum nicht?<\/li>\n<li>Wie sehen Sie im Kontext einer Reduktion der Gesch\u00e4ftsbeziehungen Ihre historische Verantwortung gegen\u00fcber den Gemeinden, die von den Minenaktivit\u00e4ten von Sibanye-Stillwater bis jetzt betroffen sind?<\/li>\n<li>Haben Sie und\/oder eine Ihrer Tochtergesellschaften im vergangenen Gesch\u00e4ftsjahr oder im laufenden Gesch\u00e4ftsjahr direkt oder indirekt Rohstoffe von den unten aufgef\u00fchrten <strong>Unternehmen<\/strong> bezogen, und wenn ja, welche und wie viele? Bitte geben Sie auch die Namen der Minen an, aus denen diese Rohstoffe stammen: Samancor (Samancor Chrome), AngloAmerican, Rio Tinto?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das anhaltende Versagen bei einem Schl\u00fcssellieferanten wie Sibanye-Stillwater ist nicht nur ein Einzelfall. Es zwingt uns dazu, schwierige Fragen \u00fcber den gesamten Rahmen der Sorgfaltspflicht der BASF zu stellen. Wenn jahrelanges, gezieltes Engagement mit einem wichtigen Lieferanten zu derart unbefriedigenden Ergebnissen und wachsendem Misstrauen f\u00fchrt, wie k\u00f6nnen wir dann sicher sein, dass BASF Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihrer gesamten Lieferkette effektiv identifiziert, mildert und behebt, wie es das deutsche Lieferkettengesetz verlangt?<\/p>\n<p>Dialog ist notwendig, aber Dialog ohne Konsequenzen, ohne greifbaren Fortschritt, ist hohl. Und wir fragen: An welchem Punkt wird ein fortgesetztes Engagement ohne sinnvolle sichtbare Ver\u00e4nderungen zur Unt\u00e4tigkeit?<\/p>\n<p>Deshalb fordern wir mehr als erneute Zusicherungen. Wir fordern:<\/p>\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Transparenz:<\/strong> Vollst\u00e4ndige Offenlegung der Ergebnisse des j\u00fcngsten Audits zu Sibanye-Stillwater, sobald es fertig ist, und der konkreten, zeitlich begrenzten Korrekturma\u00dfnahmen, die die BASF von ihrem Lieferanten verlangt.<\/li>\n<li><strong>Rechenschaftspflicht:<\/strong> Eine klare Erl\u00e4uterung der Konsequenzen, die Sibanye-Stillwater drohen, wenn wesentliche, nachpr\u00fcfbare Verbesserungen in Bezug auf die Lebensbedingungen, die Umsetzung des SLP und die Umweltsicherheit nicht innerhalb eines \u00f6ffentlich genannten, kurzen Zeitraus erreicht werden.<\/li>\n<li><strong>\u00dcberpr\u00fcfung:<\/strong> Eine grunds\u00e4tzliche, unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung der Effektivit\u00e4t der Menschenrechts- und Umwelt-Due-Diligence-Prozesse der BASF, wobei der Fall Sibanye-Stillwater als klares Beispiel daf\u00fcr dient, wo das derzeitige System versagt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Ruf der BASF, Ihre soziale Lizenz zum Handeln und die Stabilit\u00e4t Ihrer Lieferketten h\u00e4ngen davon ab, dass Ihr Handeln mit Ihren Werten \u00fcbereinstimmt. Die Situation bei Sibanye-Stillwater zeigt, dass eine deutliche Verbesserung dringend notwendig ist. Wir erwarten von der BASF, wir erwarten von Ihnen, dass Sie entschlossen handeln.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats, sehr geehrte Aktion\u00e4rinnen und Aktion\u00e4re, Ich hei\u00dfe Gomotsegang Brown Matloko und komme aus der Gemeinde Wonderkop in Marikana. 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