{"id":2118,"date":"2021-08-15T15:00:44","date_gmt":"2021-08-15T15:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/?p=2118"},"modified":"2021-08-16T15:37:20","modified_gmt":"2021-08-16T15:37:20","slug":"deutsch-lasst-uns-nicht-vergessen-gedanken-zum-neunten-jahrestag-des-massakers-von-marikana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/deutsch-lasst-uns-nicht-vergessen-gedanken-zum-neunten-jahrestag-des-massakers-von-marikana\/","title":{"rendered":"Lasst uns nicht vergessen! Gedanken zum neunten Jahrestag des Massakers von Marikana"},"content":{"rendered":"<p><em>von Bischof Jo Seoka, Vorsitzender der Bench Marks Foundation<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"997\" data-permalink=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/deutsch-fotos-2016\/img_8111-light\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8111.light_.jpg\" data-orig-size=\"1251,1461\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon PowerShot G12&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1461677626&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;30.5&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;200&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"IMG_8111.light\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8111.light_-877x1024.jpg\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-997\" src=\"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/IMG_8111.light_-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/p>\n<p>Der 16. August 2021 markiert neun Jahre Polizeibrutalit\u00e4t ohne Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4ter. Aber es markiert noch viel mehr: Jahrzehntelange Ausbeutung von mittelosen WanderarbeiterInnen, die Ausbeutung von \u201ebilliger, schwarzer Arbeitskraft\u201c, die schlussendlich zum ersten Massaker in unserer \u201eDemokratie\u201c f\u00fchrte. Alles, was die Arbeiter von ihrem Arbeitgeber Lonmin forderten war ein existenzsichernder Lohn. Stattdessen bekamen sie Sch\u00fcsse in den R\u00fccken, sie bekamen Gr\u00e4ber statt Geld oder eine anst\u00e4ndige Unterkunft. Wenn wir an das Massaker von Marikana denken, k\u00f6nnen wir nicht anders, als den Kopf in den Sand zu stecken.<\/p>\n<p>Es ist kein Geheimnis, dass im Jahr des Massakers der Lonmin-CEO und seine Executive Directors mit saftigen Boni \u00fcberh\u00e4uft wurden. Ben Cave etwa erhielt einen Bonus in H\u00f6he von 11 Millionen Rand (gut 1 Million \u20ac). Unterdessen kehrten die Minenarbeiter mit leeren H\u00e4nden und Trauer in ihren Heimatregionen zur\u00fcck. Einige von ihnen, wie Mzoxolo Magidiwana, haben noch keinen Cent an Reparationszahlungen f\u00fcr ihre schwere Verletzungen und monatelangen Gef\u00e4ngnisaufenthalte erhalten. Bis heute sind den \u00fcberlebenden Opfern, den Witwen und Waisen des Massakers von Marikana, keine ernst zu nehmenden Ma\u00dfnahmen f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Dasein zuteil geworden. Den T\u00e4ter kommt dagegen weiterhin der Dank f\u00fcr ihre \u201egut gemachte Arbeit\u201c zu (so bezeichneten die Polizeioffiziere den Einsatz kurz nach dem Massaker). Niemand wurde vom Dienst abgezogen, niemand verurteilt \u2013 auch keiner der Manager von Lonmin.<\/p>\n<p>Lonmin verkaufte das Unternehmen an Sibanye-Stillwater. Der CEO des Unternehmens, Neal Froneman versprach vor dem Kauf der Mine Verantwortung f\u00fcr die Folgen des Massakers zu \u00fcbernehmen. Seitdem spricht Sibanye-Stillwater von der Bereitstellung von H\u00e4usern f\u00fcr die Witwen und der Einf\u00fchrung von Gemeindeentwicklungsprojekten in Form von Gem\u00fcseg\u00e4rten. Besch\u00e4menderweise wurden einige Kirchenf\u00fchrer von der schamlosen Scharade hypnotisiert und tragen diese blo\u00dfen Ank\u00fcndigungspolitik mit.<br \/>\nF\u00e4hrt man heute nach Marikana, wird man keine Verbesserungen sehen, nichts erz\u00e4hlt von einer vermeintlich ver\u00e4nderten, oder gar \u201egeheilten\u201c Marikana-Gemeinde. Nicht einmal ein Symbol f\u00fcr Heilung und Vers\u00f6hnung, eine Gedenkst\u00e4tte mit den Namen aller Opfer des Massakers, die oft gefordert wurde, ist errichtet. Neal Froneman spricht jedoch \u00fcber den Erneuerungsprozess von Marikana unter Einbeziehung aller Beteiligten. Die Wahrheit ist, dass mit Sibanye-Stillwater business as usual wie gehabt weitergeht. Das Leben in und um Marikana ist nach wie vor von Armut und Arbeitslosigkeit gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Angesichts der Situation in Marikana kann man nicht anders, als Fragen zu stellen, die beantwortet werden m\u00fcssen. Was ist zum Beispiel mit den 150 Millionen US-Dollar passiert, die Lonmin damals von der Weltbank f\u00fcr Infrastrukturprojekte erhalten hat? In Tom Burgis Buch, \u201eThe looting Machine\u201c, sind die Lonmin-Chefs beim Erhalt dieser Fonds folgenderma\u00dfen zitiert: \u201eWenn die Zusammenarbeit erfolgreich ist, wird dies einen neuen Standard f\u00fcr die Beziehung der Bergbauindustrie zum Land und zur S\u00fcdafrikanischen Bev\u00f6lkerung setzen. Eine nachhaltige und f\u00fcr beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft mit der Gemeinschaft im Bergbau-Umfeld ist in Sicht.\u201c<br \/>\nDenkt man an die Geschichte der kolonialen Ausbeutung afrikanischer Rohstoffe und Arbeitskr\u00e4fte, kann man schwer umhin, Lonmin als die Verl\u00e4ngerung der imperialen Agenda zu sehen, Afrikas Reicht\u00fcmer zu stehlen. Das bei Lonmin investierte Geld h\u00e4tte \u2013 wenn es verantwortungsvoll verwendet und abgerechnet worden w\u00e4re \u2013 das Massaker verhindern k\u00f6nnen, immerhin waren es die miserablen Lebensbedingungen und niedrigen L\u00f6hne, die zum Streik f\u00fchrten. Das Massaker erinnert uns daran, dass die \u201eInvestitionen in Afrika\u201c allzu oft daf\u00fcr genutzt werden, Ressourcen zu zerschlagen und Rohstoffe zu stehlen anstatt sie den Leuten vor Ort zu Gute kommen zu lassen.<br \/>\nDie Gr\u00fcnde, die zum Massaker von Marikana f\u00fchren, lassen uns die Forderung unterstreichen und lautstark wiederholen: Gebt uns unsere Reicht\u00fcmer zur\u00fcck! Gebt uns unsere Mineralien, unser Gold, unsere Diamanten, gebt uns unsere Metalle der Platingruppe zur\u00fcck. Wie Deutschland an Nigeria nun die Benin-Bronzen zur\u00fcckgibt oder Belgien, das endlich beschlossen hat, dass seine Kunstwerke aus dem Kongo, die w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft gestohlen wurden, in ihr Herkunftsland zur\u00fcckgegeben werden sollen. Dementsprechend muss Lonmin seine R\u00fccklagen zur\u00fcckgeben, die der Konzern w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft in S\u00fcdafrika gestohlen und in der Bank of England angeh\u00e4uft hat. Sie werden auf 75 Milliarden Rand (4,5 Milliarden \u20ac) gesch\u00e4tzt und k\u00f6nnten zu ein wenig Wiedergutmachung beitragen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Bischof Jo Seoka, Vorsitzender der Bench Marks Foundation Der 16. August 2021 markiert neun Jahre Polizeibrutalit\u00e4t ohne Konsequenzen f\u00fcr die T\u00e4ter. Aber es markiert noch viel mehr: Jahrzehntelange Ausbeutung von mittelosen WanderarbeiterInnen, die Ausbeutung von \u201ebilliger, schwarzer Arbeitskraft\u201c, die schlussendlich zum ersten Massaker in unserer \u201eDemokratie\u201c f\u00fchrte. Alles, was die Arbeiter von ihrem Arbeitgeber &hellip; <a href=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/deutsch-lasst-uns-nicht-vergessen-gedanken-zum-neunten-jahrestag-des-massakers-von-marikana\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8222;Lasst uns nicht vergessen! 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