{"id":2059,"date":"2021-04-28T15:41:43","date_gmt":"2021-04-28T15:41:43","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/?p=2059"},"modified":"2021-04-28T15:50:36","modified_gmt":"2021-04-28T15:50:36","slug":"no-house-community-with-companies-with-a-nazi-past","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/no-house-community-with-companies-with-a-nazi-past\/","title":{"rendered":"Keine Hausgemeinschaft mit Firmen mit NS-Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h3><strong><em><a href=\"https:\/\/www.auschwitz-komitee.de\/erklaerung-die-wahrnehmung-der-opfer\/\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" ><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"2063\" data-permalink=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/no-house-community-with-companies-with-a-nazi-past\/auschwitz-komitee-logo_transparent-2048x299\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1.png\" data-orig-size=\"2048,299\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048&amp;#215;299\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-1024x150.png\" class=\"alignleft wp-image-2063\" src=\"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-300x44.png\" alt=\"\" width=\"498\" height=\"73\" srcset=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-300x44.png 300w, https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-1024x150.png 1024w, https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-1536x224.png 1536w, https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1-1200x175.png 1200w, https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Auschwitz-Komitee-logo_transparent-2048x299-1.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 498px) 85vw, 498px\" \/><\/a>Hamburger Erinnerungskultur ist nicht privatisierbar \u2013 Public Private Partnership ist keine L\u00f6sung!<\/em><\/strong><\/h3>\n<p><strong>Nach dem anhaltenden Skandal um die ehemalige Hamburger Gestapo-Zentrale Stadthaus hier nun der n\u00e4chste: die Hamburger Dokumentationsst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer der Deportationen in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager soll sich in einem Geb\u00e4ude befinden, in dem eine NS-T\u00e4terfirma ihren Firmensitz haben soll, die im Mehrheitseigentum des IG-Farben-Nachfolgekonzerns BASF ist.<\/strong><\/p>\n<p>\u201cWo von seelischen Wunden und Verwundbarkeit die Rede ist, kommen\u00a0<em>immer auch<\/em>\u00a0Gewalt, Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit zur Sprache, ebenso wie gesellschaftliche und staatliche Verantwortlichkeit thematisiert wird<em>.\u201d<br \/>\n<\/em>(Jos\u00e9 Brunner, Die Politik des Traumas, 2014)<\/p>\n<p>Seit 15 Jahren begleiten Hamburger Opferorganisationen und die J\u00fcdischen Gemeinden die Entwicklung eines Gedenkortes f\u00fcr die mehr als 8.000 Hamburger*innen, die vom Hannoverschen Bahnhof zwischen 1940 und 1945 in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden.[i] Federf\u00fchrend planen die Stiftung Hamburger Gedenkst\u00e4tten und Lernorte, die Kulturbeh\u00f6rde und die HafenCity Hamburg GmbH hier einen Erinnerungsort, der an die Deportation von Juden und J\u00fcdinnen, Roma und Sinti und anderen politisch Verfolgten gemeinsam erinnern soll<em>.<\/em><\/p>\n<p>Das Auschwitz-Komitee und Freundeskreise unterst\u00fctzen das Projekt eines Erinnerungsortes seit fast zwanzig Jahren: seit 2003 besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Hannoverschen Bahnhof und haben den vergessenen Bahngleisen nachgesp\u00fcrt. Mit Aktionen[ii] wie der Mahnwache am Hauptbahnhof Hamburg im Dezember 2006, mit dem Weg der Erinnerung im Oktober 2007 und dem Zug der Erinnerung im Fr\u00fchjahr 2008 haben wir die Hamburger \u00d6ffentlichkeit auf die Notwendigkeit eines Gedenkortes hingewiesen.<\/p>\n<p>Aus der Zeitung mussten wir nun erfahren, dass der \u00d6l- und Gasproduzent Wintershall Dea ab Sommer 2022 mit 500 Mitarbeiter*innen ein B\u00fcrogeb\u00e4ude am Lohsepark in der Hafencity beziehen will. F\u00fcr das Erdgeschoss dieses neuen Firmensitzes wurde vor Jahren bereits ein Nutzungsvertrag (Laufzeit 200 Jahre) f\u00fcr das Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof abgeschlossen. Der Vorstandsvor\u00adsitzende der Wintershall Dea, Mario Mehren, wird so zitiert:\u00a0<em>\u201eMit dem neuen und langfristig anzumietenden B\u00fcrogeb\u00e4ude haben wir B\u00fcros gefunden, die zu Wintershall Dea passen\u201c.<\/em><\/p>\n<p><strong>Esther Bejarano,<\/strong><strong>\u00a0<\/strong>\u00dcberlebende der KZ Auschwitz und Ravensbr\u00fcck, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees, hingegen sagt:\u00a0<em><strong>\u201cDas ist eine Firma, die nicht zu uns passt! Kein Gedenkort unter einem Dach mit einem Konzern mit dieser NS-Vergangenheit! In unserer Wahrnehmung<\/strong><\/em><em>\u00a0<\/em><strong><em>ist das kein passender Partner an diesem Ort.\u201d<\/em><\/strong><em>\u00a0<\/em>Wir finden es unzumutbar, dass ein NS-Nachfolgekonzern seinen Konzernsitz nun direkt in dem Geb\u00e4ude einnehmen will, in dem an die Opfer der Deportationen gedacht werden soll. Denn wir haben den wenigen \u00dcberlebenden dieser Deportationen zugeh\u00f6rt. Wir wissen, wie ihre Familien mit ihnen gelitten haben. Wir wissen um ihre Alptr\u00e4ume in den N\u00e4chten. Wir wissen um die intergenerationelle Weitergabe dieser Traumata. Wir, die nachfolgenden Generationen, haben uns verpflichtet, das Verm\u00e4chtnis der Opfer und Verfolgten zu bewahren: wachsam zu sein, damit sich nie wiederhole, was damals geschah.<\/p>\n<p>Die Firma Wintershall Dea passt nicht zum Dokumentationszentrum Hannoverscher Bahnhof: Die Firma Wintershall war in der NS-Zeit nicht nur Teil der aggressiven Aufr\u00fcstungs- und Kriegsf\u00fchrungs\u00adpolitik des Nazi-Regimes, sondern \u00fcber ihren Vorstandsvorsitzenden Rosterg bereits vor 1933 auch direkter Unterst\u00fctzer von bekannten NS-Vertretern wie Wilhelm Keppler und Heinrich Himmler (Freundeskreis Keppler\/Freundeskreis Himmler). Die Firma Wintershall profitierte von der \u201eArisierung\u201c, beteiligte sich an der Auspl\u00fcnderungspolitik der von den Nationalsozialisten okkupierten L\u00e4nder und beutete tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen in ihren Werken aus. Die Firma Wintershall Dea geh\u00f6rt heute zu 67% der BASF, einem Nachfolgekonzern der IG Farben AG, die das erste firmeneigene KZ Auschwitz-Monowitz errichtete und Zyklon B in die Vernichtungslager lieferte.<\/p>\n<p>Die Firma Wintershall AG hat sich sp\u00e4t mit ihrer NS-Geschichte auseinandergesetzt. Erste, vorl\u00e4ufige Studien wurden dazu \u2013 kurz vor ihrem B\u00f6rsengang \u2013 im letzten Jahr ver\u00f6ffentlicht (Grieger, K\u00f6hler, Karlsch 2020[iii]). Weitere Untersuchungen, auch zum Fusionspartner Dea, sollen folgen. Die Wintershall Dea GmbH engagiert sich auch regional und lokal gesellschaftspolitisch gegen rechts. Dieses Engage\u00adment in der Gegenwart ist nicht zu kritisieren. Aber qualifiziert das diese Firma, in guter Nachbar\u00adschaft mit einer Gedenkst\u00e4tte zu leben, die den Opfern und \u00dcberlebenden der NS-Gewaltherrschaft gewidmet ist?<\/p>\n<p>Nach dem Stadthaus steht das n\u00e4chste Projekt einer Public Private Partnership (PPP) vor dem Schei\u00adtern. Einfach dadurch, dass die Investoren ungehindert die Interessen der \u00f6ffentlichen Hand igno\u00adrieren und vertragliche Regelungen nach Bedarf auslegen. Das private Interesse \u00fcberwiegt in der Regel das \u00f6ffentliche. Gesch\u00e4ftsleute machen Gesch\u00e4fte zum Zwecke des Geldverdienens, Unternehmens\u00adkultur und Imagepflege sind oft Mittel zum Zweck, das Streben nach Profit bleibt. Das muss jedem klar sein, der \u00f6ffentliche und gesellschaftliche Aufgaben wie Gedenkarbeit und das Erinnern an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft Projekten der Public Private Partnership \u00fcberl\u00e4sst.<\/p>\n<p>V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ist das Verhalten des vermietenden Investors, der ohne R\u00fccksprache ignorant versto\u00dfen hat gegen die Vereinbarung mit der Gedenkst\u00e4tte und der Hansestadt Hamburg von 2019. Darin regelt das vereinbarte<em>\u00a0<\/em><em>Dauernutzungsrecht<\/em>\u00a0zwischen dem Investor und der Beh\u00f6rde f\u00fcr Kultur und Medien, dass kein Nutzer in das Geb\u00e4ude einzieht,\u00a0<strong>\u201eder insbesondere in der Wahrnehmung der Opfer des Nationalsozialismus und ihrer Interessenorganisationen (\u2026) (1) im Konflikt mit dem Zwecke des Dokumentationszentrums (\u2026) steht oder (2) der Ausstrahlung eines Gedenkortes abtr\u00e4glich ist\u201c (\u00a7 14.1).<\/strong><\/p>\n<p>Wir sagen NEIN zur Vermietung an die Wintershall Dea GmbH und fordern die Aufhebung der Vertr\u00e4ge. Haben wir den Mut und den Anstand und nehmen R\u00fccksicht auf die Wahrnehmung der \u00dcberlebenden, ihrer Angeh\u00f6rigen und Freund*innen. Einen weiteren Skandal, indem ein jahrelang gefordertes Erinnerungsprojekt im Sumpf der Hamburger Public Private Partnership versinkt, kann sich die Hansestadt schlicht nicht leisten!<\/p>\n<p><strong>Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.<\/strong><br \/>\nDer Vorstand:<br \/>\n<em>Esther Bejarano<\/em><em>\u00a0<\/em>(Vorsitzende)\u00a0|\u00a0<em>Susanne Kondoch-Klockow<\/em>\u00a0|\u00a0<em>Helga Obens<\/em><\/p>\n<p>[i] <a href=\"https:\/\/hannoverscher-bahnhof.hamburg.de\/\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"https:\/\/hannoverscher-bahnhof.hamburg.de\/\"  class=\"wp-links-icon\">https:\/\/hannoverscher-bahnhof.hamburg.de\/<\/a><br \/>\n[ii] <a href=\"http:\/\/www.bahnhof-der-erinnerung-hamburg.de\/\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"http:\/\/www.bahnhof-der-erinnerung-hamburg.de\/\"  class=\"wp-links-icon\">http:\/\/www.bahnhof-der-erinnerung-hamburg.de\/<\/a><br \/>\n[iii] Manfred Grieger, Ingo K\u00f6hler, Rainer Karlsch (2020): <em>Expansion um jeden Preis Studien zur Wintershall AG zwischen Krise und Krieg, 1929-1945<\/em>, Frankfurt am Main: Societ\u00e4ts-Verlag. Ver\u00f6ffentlicht: September 2020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburger Erinnerungskultur ist nicht privatisierbar \u2013 Public Private Partnership ist keine L\u00f6sung! 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