{"id":1980,"date":"2020-06-14T22:50:36","date_gmt":"2020-06-14T22:50:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/?p=1980"},"modified":"2020-06-18T12:55:14","modified_gmt":"2020-06-18T12:55:14","slug":"thinking-racism-structurally-what-does-the-black-lives-matter-movement-have-to-do-with-the-plough-back-the-fruits-campaign","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/thinking-racism-structurally-what-does-the-black-lives-matter-movement-have-to-do-with-the-plough-back-the-fruits-campaign\/","title":{"rendered":"Rassismus strukturell denken. Was hat die \u201cBlack Lives Matter-Bewegung\u201d mit der \u201cPlough back the fruits&#8220;-Kampagne zu tun?"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1751\" data-permalink=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/postscriptum\/csm_team_boniface_mabanza_cce9b6c459\/\" data-orig-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/csm_team_boniface_mabanza_cce9b6c459.jpg\" data-orig-size=\"120,120\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"csm_team_boniface_mabanza_cce9b6c459\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/csm_team_boniface_mabanza_cce9b6c459.jpg\" class=\" wp-image-1751 alignright\" src=\"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/csm_team_boniface_mabanza_cce9b6c459.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"143\" \/>von Boniface Mabanza<\/em><\/p>\n<p>Seit der Ermordung des Afroamerikaners G. Floyd in Minneapolis erlebt die Bewegung \u201cBlack Lives Matter\u201d (BLM) eine Renaissance und verbreitet sich weltweit. Dieser Artikel versucht, die Zusammenh\u00e4nge zwischen dieser Bewegung und der Kampagne \u201cPlough back the fruits\u201d (PBF) zu skizzieren.<\/p>\n<p><strong>Rassismus auch bei uns?<\/strong><\/p>\n<p>In diesen Tagen ist viel von (strukturellem) Rassismus die Rede, als Reaktion auf die weltweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeibrutalit\u00e4t, die nach der brutalen Ermordung von George Floyd in Minneapolis am 25. Mai aufgeflammt sind. Die Auseinandersetzungen hat mittlerweile auch Deutschland erreicht. In mehreren deutschen St\u00e4dten einschlie\u00dflich Hamburg, M\u00fcnchen, Berlin, Frankfurt, Stuttgart demonstrieren zahlreiche Menschen, vereint unter dem Motto \u201eDas Leben der Schwarzen z\u00e4hlt\u201c. Die Diskussion hat in Deutschland mittlerweile auch politische Kreise erreicht. Frau Merkels Satz, dass es auch in Deutschland \u201eso etwas wie Rassismus\u201c gibt wurde von allen Menschen schwarzer Hautfarbe, die tagt\u00e4glich rassistischen Erfahrungen ausgesetzt sind, als verharmlosend und verletzend empfunden. Auch wenn die Situation der USA nicht eins zu eins auf Deutschland zu \u00fcbertragen ist, bezeugt solch eine Formulierung eine gef\u00e4hrliche Verharmlosung, denn Rassismus \u00a0ist ein Ph\u00e4nomen, das seit dem Kolonialismus global wirkm\u00e4chtig geworden ist, zu dessen vermeintlich wissenschaftlicher Begr\u00fcndung deutsche Denker (Kant, Hegel, Ernst Haeckel etc\u2026) und zu dessen Verbreitung deutsche Auswanderer ma\u00dfgeblich beigetragen haben.<\/p>\n<p>Eine andere Dimension der politischen Diskussion rum um dieses Thema derzeit hier in Deutschland betrifft den von der Fraktion der Gr\u00fcnen angesto\u00dfenen \u00c4nderungsvorschlag, den Begriff \u201eRasse\u201c im Grundgesetz zu streichen und durch eine andere angemessene Formulierung zu ersetzen. <a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/index.php?id=1087&amp;L=0\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"Das Deutsche Institut f\u00fcr Menschenrechte hatte sich daf\u00fcr bereits ausgesprochen, anstatt den Begriff \u201eRasse\u201c, das Adjektiv \u201erassistisch\u201c zu verwenden\"  class=\"wp-links-icon\">Das Deutsche Institut f\u00fcr Menschenrechte hatte sich daf\u00fcr bereits ausgesprochen, anstatt den Begriff \u201eRasse\u201c, das Adjektiv \u201erassistisch\u201c zu verwenden<\/a>.<\/p>\n<p>Symbolisch w\u00e4re dies wichtig, denn es ist mittlerweile etabliert, dass jede Einteilung der Menschen in Rassen willk\u00fcrlich ist und wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht Stand h\u00e4lt, <a href=\"https:\/\/www.shh.mpg.de\/1464864\/jenaer-erklaerung\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"wie die Jenaer Erkl\u00e4rung deutlich macht\"  class=\"wp-links-icon\">wie die Jenaer Erkl\u00e4rung deutlich macht<\/a>: \u201eDie vorrangig biologische Begr\u00fcndung von Menschengruppen als Rassen \u2013 etwa aufgrund der Hautfarbe, Augen- oder Sch\u00e4delform \u2013 hat zur Verfolgung, Versklavung und Ermordung von Abermillionen von Menschen gef\u00fchrt. Auch heute noch wird der Begriff Rasse im Zusammenhang mit menschlichen Gruppen vielfach verwendet. Es gibt hierf\u00fcr aber keine biologische Begr\u00fcndung und tats\u00e4chlich hat es diese auch nie gegeben. Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.\u201c <a href=\"https:\/\/www.shh.mpg.de\/1464864\/jenaer-erklaerung\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"Die Jenaer Erkl\u00e4rung\"  class=\"wp-links-icon\">Die Jenaer Erkl\u00e4rung<\/a> pl\u00e4diert zwar auch f\u00fcr den \u201eNichtgebrauch des Begriffes Rasse\u201c in der wissenschaftlichen Sprache, aber sie formuliert auch eine Warnung, die es gilt, ernst zu nehmen:<\/p>\n<p>\u201eEine blo\u00dfe Streichung des Wortes \u201eRasse\u201c aus unserem Sprachgebrauch wird Intoleranz und Rassismus nicht verhindern. Ein Kennzeichen heutiger Formen des Rassismus ist bereits die Vermeidung des Begriffes \u201eRasse\u201c gerade in rechtsradikalen und fremdenfeindlichen Milieus. Rassistisches Denken wird mit Begriffen wie Selektion, Reinhaltung oder Ethnopluralismus aufrechterhalten.\u201c Diese Fortsetzung des rassistischen Denkens und Handelns unter anderen Begriffen zeigt, dass es viel mehr bedarf als eines blo\u00dfen Streichens des Begriffes Rasse aus dem Grundgesetz. Es bedarf viel mehr Anstrengungen, um Selbst- und Fremdwahrnehmung zu heilen und gesunde Beziehungen aufzubauen. Dies beginnt mit dem Eingest\u00e4ndnis, dass es auch in Deutschland heute Rassismus gibt und dass er sich in vielen Lebensbereichen niederschl\u00e4gt. Es handelt sich dabei nicht nur um den Alltagsrassismus, der in abwertenden Blicken an Stra\u00dfenkreuzungen, in Bussen und Bahnen, in der Zur\u00fcckweisung an der Disko-T\u00fcr, in Mikroaggressionen, in Darstellungen in Zeitungen, B\u00fcchern, Filmen und Plakaten von Hilfsorganisationen Ausdruck findet, sondern auch um strukturellen Rassismus. Struktureller Rassismus bedeutet nicht, dass alle Menschen, die in Institutionen arbeiten, die Benachteiligungen auf Grundlage rassistischer Merkmale reproduzieren, Rassisten sind, sondern dass die Institutionen nicht daf\u00fcr ausger\u00fcstet sind, rassistische Handlungen Einzelner verhindern zu k\u00f6nnen. Dies \u00e4u\u00dfert sich etwa in der Vergabe der Schulnoten, im Zugang zu Bildungs- und Fortbildungsm\u00f6glichkeiten, im Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt und in der Behandlung durch Beh\u00f6rden wie Polizei. Besonders deutlich wird das Problem, wenn die Sicherheitskr\u00e4fte durch legale sog. verdachtsunabh\u00e4ngige Personenkontrollen rassistische Vorurteile permanent reproduzieren k\u00f6nnen, da sie erwiesenerma\u00dfen besonders h\u00e4ufig \u201eanders Aussehende\u201c und vor allem Schwarze Menschen verd\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Dass die Erw\u00e4hnung eines strukturellen Rassismus in Deutschland reflexartig Abwehr und Rechtfertigungen hervorruft, ist nicht verwunderlich. Struktureller Rassismus ist schwieriger zu erkennen und aufzuarbeiten als individuelle Formen rassistisch motivierter Diskriminierungen. Dies gilt sowohl f\u00fcr die nationale Ebene als auch f\u00fcr die internationale Ebene.<\/p>\n<p><strong>Koloniale Strukturen bestehen fort<\/strong><\/p>\n<p>Ehemalige Kolonialm\u00e4chte in Europa tun sich schwer, sich kritisch und konsequent mit ihrer kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Solange das nicht geschieht, werden auch Rassismus und Kolonialismus fortwirken und deren \u00dcberwindung eine Chim\u00e4re bleiben. In seinem Artikel \u201eAngesichts unserer kolonialen und sklavenbesitzenden Vergangenheit, dem Rassismus entgegentreten, die Geschichte reparieren\u201c <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2020\/06\/13\/thomas-piketty-affronter-le-racisme-reparer-l-histoire_6042710_3232.html\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"schreibt Thomas Piketty\"  class=\"wp-links-icon\">schreibt Thomas Piketty<\/a>: &#8222;Die Welle der Mobilisierung gegen Rassismus und Diskriminierung wirft eine entscheidende Frage auf: die der Wiedergutmachung angesichts einer kolonialen und sklavenfeindlichen Vergangenheit, die entschieden nicht vor\u00fcbergeht. Wie komplex das Thema auch sein mag, es kann nicht f\u00fcr immer vermieden werden, weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa&#8220;. Die Welle der Mobilisierung der letzten Wochen hat gezeigt, wie pr\u00e4sent diese Vergangenheit\u00a0 durch die Erinnerungskultur und die Stra\u00dfennamen, welche manche St\u00e4dte noch pr\u00e4gen. Es sind all diese Symbole, die es zu \u00fcberwinden gilt. Aber es geht auch im Umgang mit Rassismus darum, das herrschende \u201e<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2020\/06\/13\/thomas-piketty-affronter-le-racisme-reparer-l-histoire_6042710_3232.html\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"Wirtschaftssystem zu ver\u00e4ndern, wobei die Verringerung der Ungleichheiten die Grundlage bilden muss.\"  class=\"wp-links-icon\">Wirtschaftssystem zu ver\u00e4ndern, wobei die Verringerung der Ungleichheiten die Grundlage bilden muss.<\/a>\u201c<\/p>\n<p><strong>Black Lives Matter und Plough Back The Fruits<\/strong><\/p>\n<p>Beide Kampagnen haben zun\u00e4chst gemeinsam, dass sie auf Ereignisse zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, die beide 2012 stattfanden: die Erschie\u00dfung des afroamerikanischen Teenagers Trayvon Martin im Februar 2012 f\u00fcr die BLM-Bewegung und das Massaker von Marikana in S\u00fcdafrika am 16. August 2012 f\u00fcr die PBF-Kampagne. Der Katalysator f\u00fcr die BLM-Bewegung, die in 2013 mit der Verwendung des Hashtags #BlackLivesMatter in sozialen Medien begann, war der Freispruch des Sicherdienstmannes George Zimmerman, dem M\u00f6rder von Trayvon Martin. Dieser Freispruch best\u00e4tigte einen Trend im US-amerikanischen Justizsystem, das allzu oft\u00a0 Mitglieder der Sicherheitskr\u00e4fte, die ihre Macht missbrauchen und Verbrechen gegen\u00fcber Afroamerikanern begehen, straflos davonkommen l\u00e4sst. \u00a0Die Bewegung intensivierte sich mit den Ermordungen von Michael Brown und Eric Garner in 2014 und bei jeder weiteren Ermordung von Afroamerikanern durch Polizeigewalt oder zivile \u201eWhite Supremacists\u201c wurden Proteste organisiert. \u00a0Die Ermordung von George Floyd am 25. Mai 2020 schlie\u00dflich, lie\u00df die Bewegung global in Erscheinung treten. Auch in S\u00fcdamerika, in Kanada, in Europa, in asiatischen\u00a0 und in vielen afrikanischen L\u00e4ndern protestieren Menschen gegen Polizeigewalt und generell gegen die Ungerechtigkeiten, die Afroamerikaner und Menschen afrikanischer Abstammung seit den Eroberungen der Europ\u00e4er*innen erleben. So hatte auch <a href=\"https:\/\/www.unesco.de\/kultur-und-natur\/kulturelle-vielfalt\/kulturelle-vielfalt-weltweit\/un-dekade-gegen-rassismus-und\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"die UNO 2014 beim Auftakt der UN-Dekade f\u00fcr Menschen afrikanischer Herkunft (2015-2024) festgestellt\"  class=\"wp-links-icon\">die UNO 2014 beim Auftakt der UN-Dekade f\u00fcr Menschen afrikanischer Herkunft (2015-2024) festgestellt<\/a>, dass besonders Menschen afrikanischer Abstammung noch h\u00e4ufig Rassismus, Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Die Kampagne \u201ePlough back the fruits\u201c startete erst drei Jahre nach dem Massaker von Marikana in S\u00fcdafrika, nachdem die langj\u00e4hrigen Gesch\u00e4ftsbeziehungen zwischen dem britisch-s\u00fcdafrikanischen Platinproduzent Lonmin und dem deutschen Chemiekonzern BASF bekannt wurden. Die Kampagne setzt sich f\u00fcr die Entsch\u00e4digung der Hinterbliebenen des Massakers von Marikana in S\u00fcdafrika ein, f\u00fcr die Witwen und zu Unrecht verhafteten Minenarbeiter, und engagiert sich f\u00fcr bessere Arbeits- und Lebensbedingungen\u00a0 in den Platinminen S\u00fcdafrikas. Wie im Fall von BLM steht auch im Massaker von Marikana Polizeigewalt im Mittelpunkt. Parallelen zwischen Militarisierung der Polizei in der Geschichte der USA und in S\u00fcdafrika w\u00e4hrend der Apartheid sind frappierend. In S\u00fcdafrika wurde die Militarisierung der Polizei auch nach der sogenannten demokratischen Wende von 1994 fortgesetzt und es ist bezeichnend, dass das Massaker von Marikana unter einer Regierung der ehemaligen Befreiungsbewegung African National Congress stattfand. Die Brutalit\u00e4t des Ereignisses erinnert an \u00e4hnliche Massaker in Soweto (1976) und Sharpville (1960) w\u00e4hrend der Apartheid.\u00a0 Wie in den USA weist auch in S\u00fcdafrika die Polizeigewalt eine erschreckende Kontinuit\u00e4t auf. Sie richtet sich gegen die armen und ausgeschlossenen Schwarzen in den Townships, aber auch gegen die Farm- und Minenarbeiter, jedes Mal wenn sie ihre Stimmen erheben, um ihr Recht auf Leben (in W\u00fcrde) geltend machen wollen.<\/p>\n<p>Das Massaker von Marikana wurde <a href=\"https:\/\/www.kasa.de\/service\/filme\/detail-filme\/miners-shot-down\/\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"im Dokumentarfilm \u201eMiners Shot Down\u201c dokumentiert\"  class=\"wp-links-icon\">im Dokumentarfilm \u201eMiners Shot Down\u201c dokumentiert<\/a>. In diesem Film beschreibt einer der Arbeiter, \u201ewie billig das Leben der schwarzen Menschen in S\u00fcdafrika ist\u201c. Er fragt sich, was das Leben der schwarzen Menschen in Afrika wert ist.\u00a0 Ein anderer Minenarbeiter, Mzoxolo Magidwana, der beim Massaker neun Mal von einer Kugel getroffen wurde, doch wie durch ein Wunder \u00fcberlebte und am 12. Mai 2017 f\u00fcr die Kampagne PBF bei der BASF-Hauptversammlungen sprach, erinnert im Film daran, wie sich die Geschichte in S\u00fcdafrika wiederholt: Seit Generationen arbeiten schwarze Familien in den Minen, an den Lebens- und Arbeitsbedingungen hat sich nicht viel ver\u00e4ndert. \u00a0Auf der Seite der Arbeitsgeber stehen ebenfalls mehrere Generationen wei\u00dfer Familien. Die Logik der Ausbeutung ist die gleiche geblieben. An dieser strukturellen Ungerechtigkeit hat auch die \u00dcbertragung der Symbole der Macht an schwarze Eliten seit 1994 nichts ge\u00e4ndert. Die Ungerechtigkeiten sind derart internalisiert, dass sie auch dort \u00a0reproduziert werden, wo schwarze Personen zu Gesichtern der Gesch\u00e4ftswelt geworden sind, wie das bei Lonmin der Fall war. So gesehen ist das Massaker von Marikana genauso wie die Ermordungen der Afro-Amerikaner in den USA mehr als eine Geschichte von Polizeigewalt:<\/p>\n<p>&#8220; Amerika hat nicht nur ein Problem der Polizeibrutalit\u00e4t. Es ist eine Gesellschaft, die nie angemessen mit ihrem Erbe der Sklaverei umgegangen ist. Diese Schande als ein polizeiliches Problem darzustellen, erm\u00f6glicht es einfachen Amerikanern, der harten Arbeit zu entkommen, die eine ganze Gesellschaft leisten muss, um die unz\u00e4hligen Arten zu hinterfragen, in denen die Geschichte der Sklaverei bis ins Hier und Jetzt reicht. Es ist nicht anders als bei uns in S\u00fcdafrika, wenn das Massaker von Marikana lediglich als ein Beispiel f\u00fcr Polizeibrutalit\u00e4t dargestellt wird. Das ist einfach zu gro\u00dfz\u00fcgig. Die ganze Wahrheit ist h\u00e4sslicher. Marikana enth\u00fcllte die gewaltt\u00e4tigen Grundlagen unserer ganzen Gesellschaft. Und eine eindeutig formale politische Gleichheit, ob hier oder in den USA, garantiert keinen effektiven Respekt f\u00fcr das schwarze Leben. Die Welt muss sich dieser Schande stellen, anstatt sich eine lineare Geschichte des moralischen Fortschritts auszumalen\u201c, <a href=\"https:\/\/www.iol.co.za\/the-star\/cop-brutality-exposes-heart-of-society-2043826\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"kommentierte der s\u00fcdafrikanische Buchautor und Radio-Moderator Eusebius Mckaiser\"  class=\"wp-links-icon\">kommentierte der s\u00fcdafrikanische Buchautor und Radio-Moderator Eusebius Mckaiser<\/a>.<\/p>\n<p>Mit dieser Analyse ist er nicht allein da. <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2020\/jun\/17\/un-human-rights-chief-calls-for-reparations-to-make-amends-for-slavery\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hat nach dem Tod von George Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz in den USA die gegenw\u00e4rtige rassistische Gewalt als \"Erbe des Sklavenhandels und Kolonialismus\" angeprangert\"  class=\"wp-links-icon\">Auch die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hat nach dem Tod von George Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz in den USA die gegenw\u00e4rtige rassistische Gewalt als &#8222;Erbe des Sklavenhandels und Kolonialismus&#8220; angeprangert<\/a>: &#8222;Hinter der heutigen rassistischen Gewalt, dem systemischen Rassismus und der diskriminierenden Polizeiarbeit steht das Vers\u00e4umnis, das Erbe des Sklavenhandels und des Kolonialismus anzuerkennen und sich ihm zu stellen.\u201c Michelle Bachelet, ehemalige Pr\u00e4sidentin Chiles, hat diese starken Worte bei einer von afrikanischen L\u00e4ndern beantragten Sitzung des UN-Menschenrechtsrats \u00fcber Rassismus und Polizeigewalt formuliert. Sie hat sich \u00a0f\u00fcr &#8222;Reparationen in verschiedenen Formen&#8220; ausgesprochen. Das Pikante an dieser Forderung nach Reparationen, ist dass die offizielle Beendigung der Versklavung von Menschen afrikanischer Herkunft, um dieses Beispiel aufzugreifen, immer mit Reparationen einherging,<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2020\/06\/13\/thomas-piketty-affronter-le-racisme-reparer-l-histoire_6042710_3232.html\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\" allerdings nicht zugunsten der Opfer, sondern der bisherigen T\u00e4ter\"  class=\"wp-links-icon\"> allerdings nicht zugunsten der Opfer, sondern der bisherigen T\u00e4ter<\/a>: \u201eSowohl im Vereinigten K\u00f6nigreich als auch in Frankreich ging die Abschaffung der Sklaverei stets mit einer Entsch\u00e4digung der Eigent\u00fcmer durch den Staat einher. (\u2026) F\u00fcr die\u00a0 Abschaffung der Sklaverei in 1833 wurde somit das \u00c4quivalent von 5% des britischen Nationaleinkommens (heute 120 Milliarden Euro) an 4.000 Eigent\u00fcmer gezahlt, mit einer durchschnittlichen Entsch\u00e4digung von 30 Millionen Euro, was der Ursprung vieler heute noch sichtbarer Verm\u00f6gen ist.\u201c Im gleichen Kontext ist die hohe Verschuldung zu erw\u00e4hnen, die 1825 der franz\u00f6sische Staat Haiti nach seiner Unabh\u00e4ngigkeit in 1824 \u00a0auferlegte, um die franz\u00f6sischen Eigent\u00fcmer f\u00fcr den Verlust ihres Sklavenbesitzes zu entsch\u00e4digen. Diese betr\u00e4chtliche Summe entsprach 300% des damaligen haitianischen BIP. Haiti bezahlte diese \u201eSchulden\u201c bis 1950 und <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2020\/06\/13\/thomas-piketty-affronter-le-racisme-reparer-l-histoire_6042710_3232.html\"  target=\"_blank\" rel=\"external nofollow\"  title=\"verlangt heute von Frankreich 30 Milliarden Euro Reparationszahlungen\"  class=\"wp-links-icon\">verlangt heute von Frankreich 30 Milliarden Euro Reparationszahlungen<\/a>. BLM und PBF haben gemeinsam, dass beide Kampagnen sich auf eine mitnichten abgeschlossene oder aufgearbeitete Geschichte von Erniedrigung und Ausbeutung beziehen. Manifestationen davon sind Polizeigewalt, aber genauso das Agieren von Unternehmen, die heute noch f\u00fcr ihre Profite \u201edie Verdinglichung des Schwarzen Menschen\u201c (Achille Mbembe) in Kauf nehmen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Viele w\u00fcrden sagen: Wie k\u00f6nnen nicht daf\u00fcr, dass unsere Gro\u00dfv\u00e4ter andere Menschen versklavt, kolonialisiert, ausgebeutet \u00a0und zur Rechtfertigung ihrer Praktiken entmenschlicht haben. Diese Gro\u00dfv\u00e4ter aber haben ausbeuterische Strukturen etabliert, die heute noch Bestand haben. Sie sind im Handelssystem, in der Finanzarchitektur, in der Schuldenpolitik,\u00a0 in der Erinnerungskultur zu beobachten. Einige der Institutionen, die gegr\u00fcndet wurden als die meisten afrikanischen L\u00e4nder noch Kolonien waren (IWF, Weltbank) existieren noch. Andere wie die Welthandelsorganisation sind hinzugekommen, aber auch in ihnen spiegeln sich die alten Machtverh\u00e4ltnisse wider.\u00a0 Die jetzigen Generationen in den ehemaligen Kolonialm\u00e4chten und in den USA profitieren von solchen Strukturen.\u00a0 Sie k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass es anders wird. Unsere Vergangenheit ist schrecklich, aber sie l\u00e4sst sich nicht \u00e4ndern. Auf die jetzigen und zuk\u00fcnftigen Verh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen wir Einfluss nehmen. \u00a0Dies beginnt damit, die mentalen und institutionellen Infrastrukturen des Rassismus zu \u00fcberwinden. Wer sich zum Anti-Rassismus (siehe Ibram X. Kendi, How to be an Antiracist, One World, 2019) bekennt, muss sich f\u00fcr eine grundlegende Transformation der Rahmenbedingungen einsetzen, um eine gerechte Gesellschaft aufzubauen. Mit anderen Worten, Anti-Rassismusarbeit ist keine kulturalistische Angelegenheit, sondern eine Auseinandersetzung mit Privilegien auf der einen Seite und mit den psychischen Folgen von generationen\u00fcbergreifenden Rassismustraumata und dem fortdauernden Mangel an Ressourcen und Chancen auf der anderen Seite. Genau das f\u00fchren uns BLM und PBF vor Augen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Boniface Mabanza Seit der Ermordung des Afroamerikaners G. Floyd in Minneapolis erlebt die Bewegung \u201cBlack Lives Matter\u201d (BLM) eine Renaissance und verbreitet sich weltweit. Dieser Artikel versucht, die Zusammenh\u00e4nge zwischen dieser Bewegung und der Kampagne \u201cPlough back the fruits\u201d (PBF) zu skizzieren. Rassismus auch bei uns? In diesen Tagen ist viel von (strukturellem) Rassismus &hellip; <a href=\"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/thinking-racism-structurally-what-does-the-black-lives-matter-movement-have-to-do-with-the-plough-back-the-fruits-campaign\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8222;Rassismus strukturell denken. Was hat die \u201cBlack Lives Matter-Bewegung\u201d mit der \u201cPlough back the fruits&#8220;-Kampagne zu tun?&#8220;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-1980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-newsletter-june-2020"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7l3pz-vW","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1980"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1987,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1980\/revisions\/1987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}