{"id":497,"date":"2016-04-10T17:14:56","date_gmt":"2016-04-10T17:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress-ploughbackthefruits.p51238.webspaceconfig.de\/?page_id=497"},"modified":"2016-04-11T06:20:23","modified_gmt":"2016-04-11T06:20:23","slug":"welcome-speech","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.basflonmin.com\/de\/welcome-speech\/","title":{"rendered":"An die BesucherInnen der Ausstellung"},"content":{"rendered":"<p>AN DIE BESUCHERINNEN DER AUSSTELLUNG DER WITWEN VON MARIKANA<br \/>\nvon NomaRussia Bonase<\/p>\n<p>Es ist mir eine gro\u00dfe Ehre, den vorliegenden Katalog einleiten und vorstellen zu d\u00fcrfen. Dieser Katalog begleitet eine Ausstellung mit den und \u00fcber die k\u00fcnstlerischen Arbeiten der sogenannten Witwen von Marikana \u2013 den Angeh\u00f6rigen jener Minenarbeiter, die bei dem Massaker bei der Platinmine von Marikana im August 2012 von der Polizei get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Die Ausstellung pr\u00e4sentiert die Ergebnisse mehrerer Workshops, die mit den Witwen der Ermordeten dieses Massakers durchgefu\u0308hrt wurden. In diesen Workshops zeichneten und malten diese Frauen zum ersten Mal in ihrem Leben; sie fanden so einen Weg, die erschu\u0308tternde Erfahrung der Ermordung ihrer Angeh\u00f6rigen zu bearbeiten und ihr Bilder zu geben. Er\u00f6ffnet wurde damit gleichzeitig ein Weg, das Schweigen und die Stille, die die Witwen umgab, zu durchbrechen und sich Geh\u00f6r zu verschaffen. Bis dahin n\u00e4mlich wurden sie behandelt wie Steine \u2013 ohne die M\u00f6glichkeit zu erz\u00e4hlen, wie sie sich f\u00fchlten und was sie wissen.<\/p>\n<p>In der Ausstellung geht es um das Verst\u00e4ndnis, die Kreativit\u00e4t und die enormen F\u00e4higkeiten jener Frauen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit uns teilen und ihrem Schmerz Ausdruck verleihen. Es sind die ersten Schritte einer langen Reise, die zu Frieden und Vers\u00f6hnung fu\u0308hren sollen. Die Bilder sind dar\u00fcber hinaus Ausdruck der menschlichen Wu\u0308rde und des Einforderns von Respekt, sie sind Ausdruck eines Kampfes um Entsch\u00e4digung, Wiedergutmachung und Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Sie erz\u00e4hlen die Geschichte einer Hoffnung und sie erz\u00e4hlen von einem Versprechen: dass wir, die wir mit ansehen, wie der Reichtum aus unserer Erde gehoben wird w\u00e4hrend wir hier im Elend versinken \u2013 dass wir eines Tages selbst die Fr\u00fcchte ernten werden: Plough back the Fruits.<\/p>\n<p>Diese Bilder zu zeigen ist f\u00fcr uns mit der Hoffnung verbunden, die Herzen zahlreicher Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen. Wir hoffen und wollen, dass die Geschichten der Witwen von Marikana m\u00f6glichst viele Menschen in allen Erdteilen der Welt erreicht; wir verstehen es als einen Beitrag zum kollektiven Handeln f\u00fcr die Beendigung solcher Gewalttaten an unserer Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Ich, die ich zu Euch spreche, bin NomaRussia Bonase, Mitarbeiterin der Khulumani Support Group. Khulumani, auf isiZulu \u203adie Stimme erheben\u2039, ist eine Mitgliederorganisation, die 1995 von Aktivistinnen gegr\u00fcnddet wurde, um Personen zu unterst\u00fctzen, deren Menschenrechte verletzt worden waren \u2013 durch das Menschenrechtsverbrechen namens Apartheid. Khulumani wurde aufgebaut als das s\u00fcdafrikanische Parlament plante, die \u203aTruth and Reconciliation Commission\u2039 einzurichten, um Wahrheit und Gerechtigkeit im Nachfeld der Gewalttaten der Apartheid wieder herzustellen \u2013 ohne die Absicht allerdings, diejenigen zu involvieren, die die Kosten des Kampfes gegen die Apartheid an ihrem eigenen Leib und ihrer eigenen Psyche zu spu\u0308ren bekommen haben.<br \/>\n\u203aArt, Healing and Heritage Workshops\u2039 nennen wir eines der Werkzeuge, die Khulumani entwickelt hat, um die Menschen dabei zu unterstu\u0308tzen, zerst\u00f6rte Leben in den Griff zu bekommen. Im Rahmen solcher Workshops, die mit den Witwen von Marikana durchgef\u00fchrt wurden, entstanden diese Malereien.<\/p>\n<p>Neben diesen Bildern zeigt die Ausstellung auch Arbeiten eines Workshops von Khulumani, der in 2013 Zamdela, Sasolburg durchgef\u00fchrt wurde. Die TeilnehmerInnen waren ehemalige ArbeiterInnen des Energiekonzerns SASOL, die 1987-88 einen Streik, bei dem 77 Menschen get\u00f6tet wurden, \u00fcberlebten. Wir sind der \u00dcberzeugung, dass sich die Ergebnisse der beiden Workshops von Marikana und Zamdela erg\u00e4nzen, dass in beiden wie auch zwischen ihnen die Verzweiflung und die Hoffnung, der Kampf und die Vorstellungskraft widerhallen. In S\u00fcdafrika wird oft behauptet: gegen das Trauma und den Schmerz setzen wir Wahrheit, Vers\u00f6hnung und Wiedergutmachung; und die Verpflichtung, dass das nie wieder geschehen wird. Ein Vierteljahrhundert nach dem SASOL-Streik ist es jedoch in Marikana wieder geschehen.<\/p>\n<p>Die Kreativit\u00e4t und Inspiration dieser Arbeiten sollen dazu dienen, die Hoffnung und den Blick in die Zukunft wieder auferstehen zu lassen: Sie sollen aus der Dunkelheit unseres Schmerzes f\u00fchren. Ich glaube, dass diese Arbeiten zu uns sprechen und uns das vermitteln.<br \/>\nIch danke Euch allen, die Ihr gekommen seid, um Euch mit diesen Kunstwerken und ihren Bedeutungen auseinander zu setzen. Eure Anwesenheit, Euer Interesse und Eure Teilhabe geben uns Hoffnung und Energie weiter und mehr zu machen. Wir werden unseren Kampf um soziale, \u00f6konomische und kulturelle Gerechtigkeit nicht aufgeben. Es ist ein Kampf, der dazu dient, unsere menschliche W\u00fcrde geltend zu machen, er soll eine Kerze der Hoffnung f\u00fcr uns alle sein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AN DIE BESUCHERINNEN DER AUSSTELLUNG DER WITWEN VON MARIKANA von NomaRussia Bonase Es ist mir eine gro\u00dfe Ehre, den vorliegenden Katalog einleiten und vorstellen zu d\u00fcrfen. 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